Markusturm

Markusturm

Piazza San Marco. (Öffnen Sie die Karte)

Beschreibung

Der Campanile di San Marco ist der Turm, der den Markusplatz und ganz Venedig überragt: 98,6 Meter Backstein, das höchste Bauwerk der Stadt. Die Venezianer nennen ihn ‚el paròn de casa“, den Hausherrn. Von der Spitze sieht man die ganze Lagune.

Seine Form ist schlicht und erinnert an seinen Ursprung als Wachturm und Leuchtturm: ein quadratischer Backsteinschaft mit Lisenen, an jeder Seite 12 Meter breit und 50 hoch. Darüber die Glockenstube, ein Attikageschoss mit dem geflügelten Löwen und ein pyramidenförmiger Spitzhelm.

Ganz oben steht der vergoldete Erzengel Gabriel auf einer Drehplattform, er ist also auch eine Wetterfahne. Im 14. Jahrhundert wurde die Spitze vergoldet: Man sah sie weit draußen auf der Adria, und die Seeleute grüßten sie wie einen Stern.

Am Fuß, zur Basilika hin, liegt die Loggetta des Sansovino, 1546 vollendet. Früher war sie eine Holzgalerie, in der die Adligen während der Sitzungen des Großen Rates warteten. Der Campanile ist heute ein Wiederaufbau, und die Loggetta wurde mit ihm neu errichtet.

Der ursprüngliche Campanile stürzte am Montag, dem 14. Juli 1902, um 9:53 Uhr ein. Tagelang waren im Schaft Risse breiter geworden. Es gab keine Opfer, außer der Katze des Wärters. Venedig beschloss sofort, ihn originalgetreu wieder aufzubauen.

Die Glocken bestimmten das Leben der Stadt: Sie läuteten Beginn und Ende des Arbeitstages und die Regierungssitzungen. Vom Geläut aus fünf Glocken von 1820 blieb nur die Marangona erhalten, die größte, die den Tag der Zimmerleute des Arsenals, der ‚Marangoni“, bestimmte.

Das Problem war über die Jahrhunderte die hölzerne Spitze: Blitze und sogar ein Freudenfeuer zur Feier eines Sieges über die Genuesen setzten sie mehrmals in Brand. Nach dem Erdbeben von 1511 wurde sie gemauert neu errichtet. Und 1609 zeigte Galileo Galilei von hier aus den venezianischen Adligen sein Fernrohr.

Heute fährt man mit dem Aufzug hinauf, der vom Erdgeschoss bis zur Glockenstube 30 Sekunden braucht. Während des Karnevals ließ sich einst ein Seiltänzer an einem Seil von der Spitze zu einem Boot im Becken hinab: der ‚Engelsflug“, der heute als ‚Taubenflug“ fortlebt.

Jede Glocke hatte ihr eigenes Signal. Eine läutete zu Mittag und leitete die Pause ein, eine andere, die Renghiera, kündigte öffentliche Hinrichtungen an: Schon 1355 wurde sie mit dem Hochverratsprozess gegen Doge Marin Falier verbunden. An hohen Festtagen läuteten alle zusammen.

Nicht verpassen
• Die Glockenstube.
• Die Loggetta des Sansovino.
• Die Marangona.

Schon gewusst?
• Der ‚Pietra del bando“, ein Stumpf einer Porphyrsäule, bewahrte eine Ecke der Basilika vor dem Schutt.
• Der neue Campanile wurde am 25. April 1912, dem Markustag, eingeweiht, der Überlieferung nach tausend Jahre nach der Gründung des alten.